Halsband oder Geschirr- die ewige Diskussion

Eine Diskussion die jeder Hundehalter kennen dürfte und die gern auch mal religiöse Züge annehmen kann.
Die einen schwören auf ein schönes und verziertes Halsband, die anderen nutzen ausschließlich ein Brustgeschirr, wieder andere kombinieren beides.

Unsere Hunde tragen ausschließlich Brustgeschirre. Dies hat verschiedene Gründe. Manche sind rein optischer Natur, die meisten haben aber handfeste medizinische Gründe. Auch im Verhalten verändern sich Hunde meist zum positiven, wenn diese an einem gut sitzenden Brustgeschirr geführt werden.

Wichtig ist hierbei eben, dass das Geschirr dem Hund auch passt. Viel zu oft erlebe ich schief oder viel zu eng sitzende Geschirre aus denen die Hunde schon längt heraus gewachsen sind. Ein viel zu großes, rutschendes Geschirr macht die meisten Vorteile eines Geschirres zunichte. Aber auch ein passendes Geschirr befreit weder Hund noch Mensch vom Leinenführigkeitstraining. Ein Geschirr ersetzt kein Training.

Medizinische Gründe für ein Geschirr:

Schädigung von Kehlkopf, Schilddrüse, Luftröhre und Co

Beginnen wir mit der Betrachtung der Auflagefläche. Bei einem Halsband wirkt der Druck über die straffe Leine auf einer sehr kleinen Fläche. Bei einem Brustgeschirr ist die Auflagefläche um ein vielfaches größer.
Betrachten wir nun auch den Ort der Auflagefläche: das Halsband liegt am Unterhals des Hundes auf, also über der Luftröhre mit Kehlkopf und Schilddrüse und dort wo wichtige Arterien das Gehirn mit sauerstoffhaltigem Blut versorgen. Das Geschirr liegt hingegen auf dem Brustbein, einem festen Knochen auf.

Schädigungen durch Halsband

Erhöhung des Augeninnendrucks

Die Linse des Auges wird kontinuierlich von einer klaren Flüssigkeit umspült, dem Kammerwasser. Dieses wird in einem kleinen Bereich des Innenauges produziert und gelangt durch die Pupille auf die Linse und fließt von dort wieder ab.
Diese wichtige Bewässerung des Auges kann gestört werden, dann kommt es zu einer Erhöhung des Augeinnendruckes ist extreme schmerzhaft und führt langfristig zu grünem Star und damit zur Erblindung des Auges.

Die Tierärzte, welche auf Augenheilkunde spezialisiert sind, empfehlen daher in aller Regel die Nutzung eines Brustgeschirres, da ein direkter Zusammenhang zwischen dem Anstieg des Augeninnedruckes und der Verwendung eines Halsbandes festgestellt wurde.

Nachzulesen: Amy M. Pauli, Ellison Bentley, Kathryn A. Diehl, Paul E. Miller (2006): Effects of the Application of Neck Pressure by a Collar or Harness on Intraocular Pressure in Dog

Schädigung der Halswirbelsäule

Jeder Zug am Halsband, völlig egal ob vom Hund selbst oder vom Menschen verursacht Schmerzen. Nach einem Rück am Halsband geht es Hunden ähnlich wie uns Menschen bei einem Schleudertrauma.
Leider kann niemand ausschließen, dass sich sein Hund erschreckt, ein Eichhörnchen den Weg kreuzt und der Hund dieses jagen möchte oder er plötzlich einen wundervollen Geruch in die Nase bekommt und daher die Richtung wechselt. Daher ist ein Geschirr auch für leinenführige Hunde sinnvoll.

Anders Hallgren beschreibt in seiner Studien „Rückenprobleme beim Hund“ den Zusammenhang zwischen Rückenproblemen und der Nutzung von Halsbändern.

Neben den medizinischen Gründen gibt es aber Veränderungen im Verhalten des Hundes.

Durch die Aufrichtung des Hundes am Halsband in eine erhabene Körperposition muss der Hund körperlich andere Signale senden, als er es ggf. gern tun würde. Gerade in der Begegnung von Artgenossen findet sehr früh eine feine Kommunikation über Körpersprache statt. Blicke, Schnüffeln am Boden, Kopf abwenden, Verlagerung des Körperschwerpunktes usw. In Hund der sich auf Grund des Drucks auf dem Halsband wie gewollt verhalten kann, z.B. deeskalierend, provoziert unabsichtlich den entgegen kommenden Hund.

Aber auch viele Vorurteile halten sich hartnäckig. Nehmen wir diese mal unter die Lupe:

Vorurteil Nr. 1:  Der Hund zieht dann viel mehr

Dies kann ich nicht bestätigen, ganz im Gegenteil. Auch viele meiner Kunden waren sehr überrascht, wieviel weniger ihre Hunde an der Leine ziehen, seitdem sie ein Brustgeschirr verwenden. Teilweise war dann kein oder kaum noch Leinenführigkeitstraining notwendig da die Hunde viel entspannter wurden. Dies liegt zu großen Teilen am Fehlen des Oppositionsreflexs (ein Reflex gegen den Druck von außen zu arbeiten, anstatt diesem nachzugeben).

Vorurteil Nr. 2: Ich kann meinen Hund dann nicht mehr halten

Die Kraft mit der ein Hund zieht, ist völlig unabhängig davon, ob er ein Geschirr oder ein Halsband trägt. Weder das Halsband noch das Geschirr beeinflussen die Muskelkraft des Hundes.

Vorurteil Nr. 3: Brustgeschirre schädigen den Ellenbogen des Hundes

Es ist mir immer noch ein Rätsel wie ein Brustgeschirr den Ellenbogen des Hundes schädigen soll, obwohl das Geschirr diesen doch gar nicht berührt?!? Natürlich kann ein schlecht sitzendes Geschirr durchaus Schäden verursachen, aber das hat nie jemand abgestritten.

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