Ungeschriebene Gesetze für Hundehalter

Manchmal träume ich von einer besseren Welt. Einer Welt in der mindestens die Hundehalter aufeinander Rücksicht nehmen und respektabel miteinander umgehen. In meiner kleinen besseren Welt würden sich alle freiwillig an diese „Regeln für ein nettes Miteinander“ halten:

§ 1: Abstand und Rücksicht untereinander

Insbesondere bei Hunden ist Abstand zu Artgenossen ein großes Bedürfnis. Die Individualdistanz ist etwas größer als bei uns Menschen und viel zu oft wird diese von anderen Hunden und auch Menschen unterschritten.
Bei den Hundehaltern könnte ein bisschen mehr Nachdenken darüber und Rücksichtnehmen nicht schaden. Darf ich Ihnen ein paar klassische Beispiele dafür nennen?

Beispiel 1:
Ich bin gerade dabei nach einem schönen Spaziergang meine Hunde ins Auto zu sortieren. Neben mir parkt ein weiteres Auto ein, der Mensch steigt aus, ruft noch ein fröhliches „HALLO“ und öffnet den Kofferraum seines Wagens und sein Hund springt heraus. Meinen Kofferraum habe ich gerade noch zu bekommen, aber dafür toben darin jetzt 70 kg Hund gegen die Scheibe und der kleine Bullterrier wuselt an der Leine um mich und den fremden Hund herum und denkt gar nicht daran, sich in seine Transportbox stecken zu lassen. Muss das sein?
Wäre es nicht viel schöner, wenn der hinzugekommene Mensch die 25 Sekunden gewartet hätte, die ich noch gebraucht hätte, um meine Hunde zu verstauen. Meine Kelpiehündin will definitiv keinen Kontakt zu fremden Hunden und an IHREM Auto schon mal gar nicht. Wäre sie noch außerhalb des Autos gewesen und der fremde Hund wäre sie einfach „begrüßen“ gegangen, würde dem jetzt sicherlich ein Stück Fell o.ä. fehlen.

Beispiel 2:

Trainingssituation mit einer Kundin, Thema Leinenaggression. Uns kommt auf einem breitem Weg ein fremder Mensch mit seinem Hund entgegen. Wir arbeiten uns an die Seite, direkt ans Gebüsch und sowohl an der Leine, als auch dem Geschirrgriff und auch unserer Körpersprache ist selbst für einen Blinden zu erkennen, dass wir keinerlei Hundekontakt wünschen.
Was passiert?

a) der fremde Hund kommt ohne Leine lustig auf uns zu gewackelt und auf unsere Bitte den Hund zurück zu rufen kommt nur ein „DER TUT NICHTS“-
„Unser Aber und wir sind gerade im Training um das zu ändern“ –
„DANN LERNT MEINER DAS MAL WENN DER ENDLICH MAL WAS AUFS MAUL BEKOMMT“ schallt es zurück (wir haben einen Jack Russel an der Leine und uns kommt ein ca. 30 kg schwerer Hund entgegen- soviel zu dem Thema, dann lernt der das mal.)
Diese Aussage gilt aber immer nur so lange, bis Tierarztkosten entstehen, dann will sich der Absender dieser Worte an nichts mehr erinnern können und droht gern noch mit Anzeige beim Ordnungsamt….
Kennen Sie noch das HB-Männchen aus der Zigaretten-Werbung? Mittlerweile bin ich in solchen Situationen innerlich eine perfekte Imitation. Lesen Sie zu dem Thema „das Regeln die unter sich“ , auch gern meinen separaten Artikel zu dem Thema.

b) der fremde Hund wird auch an die Leine genommen, aber darf entweder trotzdem an den Kundenhund heran oder aber er wird so dicht an uns vorbei geführt, dass selbst meine Individualdistanz unterschritten wird. Und die ist bei mir wirklich nicht groß. Gern wird dann noch stehen geblieben und darüber diskutiert, dass es ohne Leine doch aber gar keine Probleme macht und die Hunde nun wirklich kurz spielen könnten und warum wir denn so streng sind und das es völlig bescheuert von uns ist und wir doof sind, keine Ahnung haben sind und und und…

c) der entgegen kommende Hund wird an die Leine genommen, an uns mit einem respektablen Abstand vorbei geführt, alle grüßen sich kurz, man bedankt sich für die Rücksicht und weiter geht es….

Na, was glauben Sie, welche SItuation tritt meistens ein?

Antwort C ist es leider (noch) NICHT!

§ 2: keinen (ungefragten) Kontakt an der Leine

Auch wenn Sie selbst einen wundervollen, netten und freundlichen Hund ihr eigen nennen der weder mit Menschen noch mit Artgenossen irgendwelche Probleme hat, andere Hunde sind nicht unbedingt auch so wie ihrer. Freuen Sie sich über das Glück, dass Sie mit Ihrem Hund haben, aber entwickeln Sie bitte auch Verständnis für Hund-Mensch-Teams die weniger Glück hatten.
Warum ein Hund an der Leine keinen Kontakt haben soll, kann unterschiedliche Gründe haben, z.B.:

  •  Unverträglichkeit mit Artgenossen
  • Angst des Hundes oder auch des Menschen
  • Verletzungen des Hundes, weshalb vom Tierarzt zur Genesung absolute Ruhe, Tobeverbot und Leinenpflicht angeordnet wurde
  • Alter des Hundes
  • schlechte Erfahrungen von Mensch und Hund
  • Größen – und Gewichtsunterschiede, ein kleiner Dackel findet den wuggeligen Labrador mit 12fachem Gewicht nicht unbedingt toll
  • Zeitdruck des Besitzers
  • Körpersprache der Hunde wird durch die Leine sehr stark eingeschränkt
  • andere Gründe, die völlig egal sind

Auf diesem Foto ist so viel Körpersprache (und schlecht sitzende Geschirre) zu sehen:

Begegnungen an der Leine- Körpersprache sehr deutlich
§ 3: keine anderen Hunde füttern und auch nicht ungefragt anfassen

Ja, natürlich gibt es total niedliche und hübsche Hunde und wir Menschen sind habtische Lebewesen. Wir erkunden sehr viel über unseren Tastsinn und fassen gern Dinge an. Insbesondere, wenn wir uns davon ein gutes Gefühl versprechen. Wenn Sie einen Hund treffen, bei dem Sie das Bedürfnis haben, ihn anfassen zu wollen, fragen Sie den Besitzer nett und freundlich.
Nicht alle Hunde werden gern berührt, schon gar nicht von fremden Menschen die unter Umständen sogar in ihrer Körpersprache auch noch gruselig sind. Ein NO GO sind Berührungen auf dem Kopf, im Gesicht anfassen oder drüberbeugen.

Viele Hunde haben Allergien und Unverträglichkeiten, sind auf Diät, fressen eh schon alles was sie finden oder aber der Besitzer wünscht es aus anderen Gründen einfach nicht, dass sein Hund gefüttert wird. Auch wenn wir die besten und gesündesten selbstgemachten Leckerchen in der Tasche haben, fremde Hunde werden bitte nicht ungefragt gefüttert.

§ 4: Hundescheisse wegmachen

Ich bin selbst Hundehalter, Hundefan, ja Hundenarr, aber es ärgert mich genauso wie jeden anderen, wenn vor unserem Gartenzaun fremde Hundehaufen platziert werden.
In den meisten Gemeinden werden Kotbeutel kostenfrei abgegeben. Es kann also nicht an den finanziellen Schwierigkeiten des Hundehalters liegen, dass er den Hundehaufen vor unserem Garten, auf öffentlichen Wegen und Plätzen nicht entfernt.
Die Argumentation, dass man ja Hundesteuer zahlt ist eine Lachnummer. Zum einen ist die Hundesteuer keine Reinigungsgebühr, zum anderen räumt die Straßenreinigung die Straße aber nicht den Gehweg. Dazu ist der Grundstücksbesitzer verpflichtet, also ich und ich bekomme von niemanden Hundesteuereinnahmen.
Die Definition von Steuer lautet übrigens: monetäre Leistung an eine öffentlich- rechtliche Institutionen ohne Anspruch auf Gegenleistung. Im Gegensatz zu Beiträgen und Gebühren, hierfür gibt es einen Anspruch auf Gegenleistungen.

§ 5: keine fremden Grundstücke betreten

Dass man nicht einfach den Garten eines fremden Menschen mit seinem Hund nutzt, dürfte völlig verständlich sein, aber auch Wiesen, Weiden und bepflanzte Äcker sind TABU.

Immer wieder sehe ich Hundehalter durch Kornfelder laufen, über frisch eingesäte Ackerflächen gehen oder sie spielen mit ihren Hunden auf der wundervollen „Wiese“ aus der der Bauer aber sehr gern Kuhfutter oder Heu für die Pferde gemacht hätte. Hundekot auf Wiesen, die für die Nahrungsbeschaffung genutzt werden, kann unter Umständen für viele Tiere tödlich enden. Stichwort Botulismus.

§ 6: Sich an echte Gesetze halten

Nicht alle Gesetze sind in Deutschland bundesweit einheitlich. Jedes Bundesland kann einge Gesetze erlassen und sogar jede Gemeinde kann unterschiedliche Gemeindeordnungen aufstellen. Dazu gehört zum Beispiel die Leinenpficht und das Waldgesetz. Zwar gibt es ein Bundeswaldgesetz, aber jedes Bundeland hat weiterreichende Landeswaldgesetze erlassen. Es ist also anzuraten, sich mit den Gesetzen des eigenen Bundeslandes mal auseinander zu setzen.
So herrscht in Schleswig-Holstein grundsätzlicher Leinenzwang im Wald, in Niedersachsen hingegen nur in der Brut- und-Setzzeit. Weiß kaum einer, will auch kaum einer wissen. Leider.


Im Umkreis haben wir verschiedene Naturschutzgebiete, z. B. die Wentorfer Lohe, wunderschön und ideal für ausgiebige Spaziergänge. Es herrscht dort allerdings Leinenpflicht. Leider hält sich kaum ein Hundehalter daran. Natürlich ist es schön, wenn die Hunde toben und rennen können, über Wiesen tollen, in den Bächen und Gräben planschen und Spaß haben. Aber wir sind auf diesem Planeten zum Glück nicht allein und auch die Wildtiere würden gern so ungestört wie möglich ihre Nachkommen aufziehen, sich zur Ruhe begeben können oder mal ohne Angst fressen können.
In dem besagten Naturschutzgebiet finden sich daher in losen Abständen Giftköder unterschiedlichster Art. Wen wundert es, wenn wir Hundehalter so gegen die ausgeschilderten Regeln verstoßen?
Natürlich heiße ich das Auslegen von Giftködern nicht gut, ganz im Gegenteil, aber ich kann durchaus verstehen, dass sich andere Menschen von den, TROTZ LEINENPFLICHT freilaufenden Hunden gestört fühlen und sich irgendwann nicht mehr anders zu helfen wissen. Wir haben es doch selbst in der Hand, wie wir Hundehalter in der Gesellschaft wahr genommen werden. Tun wir etwas dafür!

§ 7: keine ungebetenen Ratschläge geben

Natürlich freut man sich, über einen guten Ratschlag, einen Tipp oder Hilfe. Aber es kommt doch schon sehr darauf an, vom wem dieser Ratschlag stammt.
Von Menschen, von deren Umgang mit ihrem Hund ich schlaflose Nächste bekomme, möchte ich nur ungern zugerufen bekommen, wie ich mit meinen Hunden umzugehen habe. Welches Stachelhalsband wie ein normales Halsband aussieht und man es nicht sofort erkennt oder wie man einem Hund am besten bestraft.

Auch die täglich gehörten Ratschläge einfach die Leine abzumachen, dann sind Hunde viel friedlicher, ist einer der Ratschläge die ich nicht mehr hören kann.
Nicht alle Hunden können ohne Leine laufen. Manche gehen jagen oder laufen aus Angst davon oder sie sind nicht verträglich mit anderen Hunden. Von solchen Hunden die Leine abzumachen, nur weil der andere Hundehalter zu faul ist seinen Hund zur Seite zu nehmen, ist grob fahrlässig und zu unterlassen.

Ein konstruktives Gespräch, sachliche Argumente und fundierte Erfahrungen sind gern gesehen, aber pauschalierte Dogmen bringen niemanden weiter. Da ist es egal ob wir beim Thema Fütterung, Impfen oder Trainingsart sind.

§ 8 niemanden belästigen

Ja, da fragt man sich echt, muss dieser Paragraph sein? Ist es nicht normal, dass man niemanden belästigt? Leider nein, das ist es nicht mehr. Zumindest nicht, wenn es um Hunde geht.

Auch ich als Hundemensch fühle mich durch den einen oder anderen Hund belästigt, wenn er mich in der Einkaufstraße anspringt, mich vollsabbert auf dem Weg zur Bank oderzu einer Freundin oder im Cafe neben mir ein dauerhaft quietscht. In der Nachbraschaft haben wir zwei Hunde, die nicht alleien bleiben können. Woher ich das weiß? Weil diese Hunde in den höchsten Tönen heulen, schreien und bellen- über Stunden. Abgesehen davon, dass mir das Herz blutet wie diese Tiere leiden, raubt es mir dann auch den Schlaf wenn die Nachbarn in der Spätvorstellung des Kindos sind.

Wie mag es da erst Passanten gehen, die keinen Bezug zu Vierbeinern haben oder sogar mit einer Angst vor Hunden gestraft sind?

Jeden Tag können wir uns im Park unzählige Besipiele ansehen, wie Jogger von Hunden gejagt werden, ältere Menschen mit Gehwagen oder Stock verbellt und gestellt werden oder Fahrradfaher Vollbremsungen machen müssen, weil ihnen ein Hund vors Rad läuft.
Ja, natürlich, es gibt Jogger die maulen rum, obwohl man seinen super freundlichen Hund zur Seite genommen hat, ja es gibt die Senioren, die einen volldröhnen wegen dem kurzen Beller und selbstverständlich kenne ich die Kamikaze-Radfahrer die ohne zu klingeln mit Lichtgeschwindigkeit an mir vorbei sausen und mir noch über die Leine kacheln.

Bei einem Teil von denen mag es schon immer so gewesen sein, aber einen Teil dieses Verhaltens haben Hundehalter provoziert, deren Hunde anderen Passanten belästigt und bedrängt haben. Ich kenne persönlcih einen Jogger, der sehr gut im Hürdenlauf geworden ist, weil er einfach über die Hunde drüber springt, die im Weg stehen.

Probieren Sie es doch mal aus, wie freundlich und nett die Welt wird, wenn Sie Ihren Hund zur Seite oder an die Leine nehmen, wenn Ihnen Spaziergänger, Reiter, Jogger und Co entgegen kommen. Immer öfter bekommt man von diesen Menschen ein DANKE zugerufen, ein Lächeln geschenkt oder sogar ein nettes Kompliment zum Hund. Das macht Spaß!

 

Welche „Gesetze“ habe ich vergessen? Gibt es etwas, dass Sie sich als ungeschriebenes Gesetz wünschen? Ich freue mich auf Anregungen in den Kommentaren und werde diesen Artikel gern entsprechend aktualisieren.