Schilddrüse Teil 2

Nach Teil 1 kommt hier die Fortsetzung:
In diesem Artikel möchte ich ganz viel „Nebenwissen“ aufschreiben, also ob es bestimmte Rassen oder Hundetypen gibt, die besonders betroffen sind, welche Rolle die Ernährung des Hunde in Bezug auf die Schilddrüse spielt, warum es so schwer ist eine Diagnose zu stellen, welche Krankheiten gehäuft in Kombination mit der Unterfunktion auftreten und Co und den großen Bereich der subklinischen Unterfunktion.

Welche Rassen sind betroffen?

Um es kurz zu machen: ALLE!
OK, das muss ich etwas relativieren. Es gibt natürlich Rassen, bei denen eine Unterfunktion gehäuft auftritt. Das ändert aber nichts daran, dass ich vermehrt auch kunterbunte Mixe im Training habe, deren Werte echt unterirdisch sind. Die Rassebrille nützt also auch hier wieder nichts.

Wenn Sie eine der folgenden Rassen betreuen und im Training kaum Erfolge erreichen, obwohl Sie einen über positive Verstärkung arbeitenden Trainer an Ihrer Seite haben, schauen Sie sich ruhig mal die Schilddrüsenwerte an.

  • Rhodesian Ridgeback
  • Schäferhund
  • Labrador
  • Retriever, insbesondere der Golden Retriever
  • Dobermann
  • Doggen
  • Spaniel, insbesondere Cocker Spaniel
  • Staff. Bullterrier/ Pitt-Bullterrier
  • Setter, insbesondere der Irish Setter
  • Jack Russel Terrier
  • Magyar Vizsla
  • Rottweiler
  • Münsterländer
  • Border Collie
  • Dackel
  • Briard
  • Australian Shepherd, insbesondere der Mini- Aussie
Alle Rassen und deren Mixe sind betroffen
Welche Fallstricke erwarten mich bei der Diagnose?

Fragen Sie bei Ihrem Haustierarzt nach einer Blutuntersuchung für die Schilddrüse, werden Sie in zu vielen Fällen eine der folgenden Reaktionen bekommen:

  • „Hä? Warum das denn? Der hat nichts mit der Schilddrüse“
  • „Ach, sie wollen lieber Tabletten als Training?“
  • „Das ist eine reine Modekrankheit, das brauchen wir nicht untersuchen“
  • „Schilddrüsenwerte kann man beim Hund nicht bestimmen“
  • „Dafür ist Ihr Hund viel zu jung“

So oder so ähnlich habe ich es bereits selbst erlebt und auch viele meine Kunden kamen völlig irritiert aus der Tierarztpraxis wieder raus. Hören Sie einen dieser Sätze oder einen ähnlichen, drehen Sie bitte auf der Stelle um und kehren dieser Praxis den Rücken.
Leider haben tatsächlich sehr viele Tierärzte, ich mag ketzerisch behaupten- die meisten Tierärzte- keine Ahnung von Endokrinologie.  Insbesondere der Zusammenhang von mangelnder Versorgung mit Schilddrüsenhormonen und dem Verhalten ist den o.g. Tierärzten fremd.
Sprechen Sie zuerst mit Ihrem Trainer. Die meisten Trainer, die gewaltfrei und über positive Verstärkung arbeiten, kennen diese Probleme und können Ihnen bei der Suche nach einem fachkundigen Tierarzt helfen.

Fakt ist, dass die Unterversorgung mit Schilddrüsenhormonen nichts mit dem Alter zu tun hat. Meine eigene Hündin hatte bereits im Alter von 6 Monaten furchtbar schlechte Werte und aktuell befinden sich zwei knapp einjährige Hunde bei mir im Training, deren Werte eine Behandlung erforderlich machen. Das Alter spielt keine Rolle, insbesondere, weil junge und agile Hunde höhere Werte haben (sollten) als Senioren.

Selbstverständlich können alle Werte der Schilddrüse auch vom Hund im Blut getestet werden. Nicht jedes Labor kann dies, aber immer mehr Labore schließen sich da an. Ich lasse die Blutwerte meiner Hunde immer bei Laboklin bestimmen.

Modekrankheit Schilddrüsenunterfunktion

„Früher gab es das nicht“ – wer sich mit der Schilddrüsenproblematik bei Hunden beschäftigt wird früher oder später diesen oder einen ähnlichen Satz zu hören bekommen.
Ja, das stimmt. Früher gab es das nicht. Das liegt an verschiedenen Komponenten. Zum einen waren die Lebensbedingungen für Hunde deutlich angenehmer.  Die Anforderungen die an unsere Hunde gestellt wurden waren kleiner und artgerechter. Als ich ein Kind war, musste kein Hund mit in die Fußgängerzone, ins Hotel oder auf Sport-Turniere. Sie durften einfach Hund sein. Das ist heute nicht mehr in dem Maße möglich. So wie sich die Anforderungen an unsere Hunde verändert haben, haben sich auch die Hunde verändert. Sie sind stressanfälliger geworden, leiden häufiger an überhöhtem Cortisol und die Zucht hat sich ja nun auch nicht mit Ruhm bekleckert. Es wird viel zu viel mit kranken Hunden gezüchtet und die so genannte Linienzucht (= hoher Inzuchtfaktor) trägt auf keinen Fall zur Gesundheit bei.

Nächster Punkt ist, dass sich auch die Ernährung unserer Hunde geändert hat. Früher wurden Hunde natürlicher ernährt. Sie haben sich auch mal eine Maus, eine Ratte oder einen Hasen gefangen und sie bekamen Essensreste, Schlachtabfälle und Fleisch. Dann kam das Trockenfutter in Mode, industriell zusammen gekipptes Futter, oft mit einem hohen Getreideanteil. Ob es wirklich Zufall ist, dass seit der Erfindung des Trockenfutters immer mehr Hunde schlechte Schilddrüsenwerte haben?

Zu guter Letzt müssen wir uns vor Augen halten, dass früher auch einfach solche Werte nicht untersucht wurden. Wer sagt denn, dass es nicht auch vor vielen vielen Jahren schon Hunde mit suboptimalen Werten gab, dies aber nicht auffielen?
Früher konnte man sehr viele Dinge noch nicht sichtbar machen. Natürlich tauchen bei neuen Diagnosemöglichkeiten auch „neue“ Krankheiten auf. Dies sollte aber kein Grund dafür sein, wider besseren Wissens auf eine solche Untersuchung zu verzichten.

Subklinische Schilddrüsenunterfunktion

Subklinisch, tolles Wort. Darunter soll man sich nun was genau vorstellen? Es bedeutet, dass eine Krankheit vorliegt aber nur mit geringen klinischen Krankheitszeichen. Unbehandelt würden diese Krankheitszeichen intensiver werden und dann auch einen klinischen Befund begründen. Subklinisch bedeutet also, die Unterfunktion startet quasi gerade. Unterschwellig wäre das beste Synonym dafür. Meistens haben subklinische Unterfunktionen noch keine, bzw. nur nur sehr geringe körperliche Symptome, sehr wohl ist die Unterfunktion aber im Verhalten zu erkennen.

Sobald die Werte im unteren Drittel der Referenzwerte liegen spricht man von der subklinischen Unterfunktion. Auch bei niedrigen Werten innerhalb der Referenzwerte sollte daher eine Behandlung über die Gabe von Tyroxin erfolgen. Hier können wir nun wieder den Bogen schlagen zu den Tierärzten. Sollten Sie es geschafft haben, die Werte von Ihrem Tierarzt zu bekommen, wird er Ihnen spätestens jetzt sagen, dass ihr Hund gesund ist. Bei Humanärzten ist das im übrigen auch nicht anders. Lassen Sie sich immer den Ausdruck der Blutauswertung schriftlich geben und kümmern Sie auch immer um eine zweite (fundierte) Meinung.
Warten Sie nicht auf klassische Krankheitssymptome, beginnen Sie sofort mit der Behandlung.

Ernährung und Schilddrüse- ein Reizthema

Um Ihnen gleich die Angst zu nehmen, Sie können mit Trockenfutter, mit Dosenfutter und auch mit Frischfütterung/ BARF ihren Hund gesund ernähren. Es wird also keine Diskussion über die Futterart geben. ABER, Sie sollten sich schon für ein qualitativ hochwertiges Futter entscheiden.
Gerade beim Trockenfutter gibt es gewaltige Qualitätsunterschiede. Lesen Sie sich auf jeden Fall vor dem Kauf die Zutatenliste durch. Ich empfehle grundsätzlich ein getreidefreies Futter mit einem hohem Fleischanteil. Natürlich ist Weizen, Mais und Reis viel günstiger als Fleisch und wird darum gern im Futter verwendet, doch halte ich dies nicht für gesund.
In der Zutatenliste müssen die Inhaltsstoffe in der Reihenfolge der enthaltenen Mengen aufgelistet werden. Die Zutat die den größten Anteil an der Gesamtmenge einnimmt steht an erster Stelle, dann folgt die Zutat die am zweit häufigsten enthalten ist usw. Finden Sie also auf Ihrem Futter unter den ersten Positionen Getreide, lassen Sie lieber die Finger davon.
Auch macht es Sinn, sich nicht auf die tierischen Nebenerzeugnisse zu verlassen. Dies ist nicht wie gern vermarktet, der Fleischabschnitt den die Menschen nicht essen mögen. Unter dem Begriff tierische Nebenerzeugnisse verbergen sich unter anderem Federn, Hörner, Fell, Hufe, Knochen, Borsten, Schnäbel und Co. Alles nicht wirklich als Hauptbestandteil eines Futters geeignet. Das gilt übrigens für Trocken- wie Dosenfutter gemeinsam. Auch in Dosenfutter wird gern Getreide beigefügt oder aber ein Großteil an tierischen Nebenerzeugnissen. Je hochwertiger Sie Ihren Hund ernähren, desto besser.

Krankheitskombinationen

Das Thema Krankheitskombinationen ist ähnlich wie die Frage, ob zuerst das Huhn oder das Ei da war. Selten lässt sich klar abgrenzen, dass die Unterfunktion zuerst da war und dann ergab sich daraus eine weitere Krankheit oder andersherum. Fakt ist aber leider, dass es einige Krankheiten gibt, die oft in Kombination mit einer Schilddrüsenunterfunktion auftreten.

  • Herzprobleme, egal ob nun eine Herzklappeninsuffizienz oder Rhythmusstörungen
  • Epilepsie
  • Stereotypie/ abnormal repetitives Verhalten

Sicherlich gibt es noch viele weitere Krankheiten, die verstärkt zusammen mit einer Fehlfunktion der Schilddrüse auftreten, aber derzeit nicht in Zusammenhang gebracht werden. Wie alle anderen Artikel auch, wird also dieser weiterhin laufend ergänzt und korrigiert, sollten neue Ergebnisse  bekannt werden.

 

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