Spezialtraining für Rassenhunde

Bullterrier sind anders… ein Satz den ich oft auf der Suche nach einem guten Züchter gehört habe. Bullterrier sind schwerer zu erziehen, vertragen nicht jedes Futter und sind sehr anhänglich. Mit denen kommt nicht jeder klar-  die dürfen nur in erfahrene Hände. In fast allen Bereichen des Lebens sind Bullterrier anders. Das muss man wissen.

Als ich vor 10 Jahren auf der Suche nach einem passen Züchter für meinen Ridgeback-Welpen war, wurde ich gewarnt. Die Ridgebacks sind anders. Die sind schwerer zu erziehen, vertragen nicht jedes Futter und sind sehr anhänglich. Mit denen kommt nicht jeder klar – die dürfen nur in ridgebackerfahrene Hände. In fast allen Bereichen des Lebens sind Ridgebacks anders. Die brauchen auch ein ganz spezielles Training, da musst du dir einen ridgebackerfahrenen Trainer suchen.

Als Besitzerin eines Kelpies, sprich eines aktiven Hütehundes, ernte ich häufig erstaunte Blicke. Die sind doch so anders, viel schwerer zu erziehen, vertragen nicht jedes Futter und sind so anhänglich. Die sind doch eigentlich in allen Bereichen des Lebens anders. Und wir halten den tatsächlich im Haus und haben keine Schafe???? Ob wir denn genug Erfahrung mit Hütehunden hätten? 😎

Aber auch Kunden rufen mich an und Fragen ob ich Erfahrung habe mit der Rasse XYZ (<- hier bitte beliebige Rasse einfügen) habe, schließlich sind die ja ganz anders.
Die sind viel schwerer zu erziehen als andere Hunde. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Person am anderen Ende des Telefons nun gerade einen Dackelwelpen, einen Doggenrüden oder einen jagenden  Mix aus dem Tierschutz ihr eigen nennt. Anders sind sie alle.
Ich mag fast behaupten, dass ich in meiner Laufbahn als Hundetrainerin bereits jede Rasse in Zusammenhang mit dem Satz „die sind halt anders“ gehört habe.

So, nun kommen Sie: Anders als was oder wer?

Völlig egal ob wir einen Terrier, einen Pointer, einen Schlittenhund, einen Schoßhund oder einen Molosser vor uns haben, in jedem Hundekopf steckt ein Gehirn.
Dieses Gehirn ist im Aufbau und der Funktion identisch- egal welche Rasse. Jeder Hund lernt auf die gleiche Weise, nach den gleichen Naturgesetzen. Da ändert auch das Mantra der Andersartigkeit nichts dran. Das mag der ein- oder andere überzeugte Rassefan nicht hören wollen, ist aber aus biologischen Gründen nicht diskutabel. Lerngesetze sind bei allen Säugetieren gleich.

Natürlich gibt es Rassen die sensibler sind, die sich leichter beeindrucken lassen. Rassen die für die Arbeit dicht am Menschen gezüchtet wurden und Rassen die eigenständig auf großem Abstand zum Menschen arbeiten.

Innerhalb einer Rasse gibt es dann auch wieder besonders robuste und selbstbewusste Exemplare und Individuen, die sich alles etwas mehr zu Herzen nehmen. Ich kenne so viele Rassehunde, die ihre eigene Rassebschreibung nicht gelesen haben, da darf man sich nicht wundern, wenn deren Verhalten nicht so ist wie das mal irgendjemand in ein Buch geschrieben hat.

Womit wir beim nächsten Thema sind: Rasse an sich. Viele Menschen in verschiedenen Vereinen haben sich irgendwann mal mehr oder weniger auf einen Rassestandart geeinigt und diesen zu Papier gebracht. Sie haben also den Wunsch, eine Idealvorstellung in die Zuchtordnung und in die Rassebücher gepackt. Weder die Rassebeschreibung noch die Mehrzahl der Hunde geben diese Vorstellung wieder. Eine Rassebeschreibung ist ein Zuchtziel, keine aktuelle Tatsachenbeschreibung.

Ein Labrador der jagdlich geführt wird, fleißig gearbeitet wird und Leistungsprüfungen ablegt sowie ein Gesundheitszertifikat besitzt, ist ein ganz anderer Labrador, als die lustige Mischung von zwei Labbis aus der Nachbarschaft (gern auch „Hobbyzucht“ genannt), weil es ach so toll ist wenn man mal einen Wurf Welpen aufzieht. Der erste Kandidat wird viel eher an den Rassestandard der Literatur heranreichen als ein Welpe aus dem zweiten Fall.

Die Optik von Rassehunden hat sich in den letzten Jahrzehnten radikal geändert. Ein Boxer hatte zu meiner Kinderzeit eine Nase, ein Maul und ein Gesicht. Ich habe aber in meinem Leben Boxer kennenlernen müssen, die kaum fressen konnten, weil deren Gesicht so eingedellt war, dass nicht einmal mehr die Kiefer übereinander passten. Jeder kennt die Bilder von Schäferhunden die nicht mehr laufen können, Bassets die auf ihre Ohren treten und Faltenhunde die blind sind, weil die Falten so groß sind, dass diese über die Augen rutschen.

Mittlerweile ändert sich die Zucht vieler Rassen langsam wieder. Schäferhunde dürfen wieder Hinterbeine haben, die Plattnasenrassen wie Mops und Boxer dürfen eine Nase bekommen, doch noch immer gibt es Richter und Züchter die ins Extreme abgleiten.

So, zurück zum Thema, denn völlig unabhängig von der Optik eines Hundes ist das Lernen nun einmal gleich.

Kein Säugetier (und auch Vögel) kann sich gegen die klassische Konditionierung wehren. Sie passiert unterbewusst, nicht immer geplant und egal ob wir das wollen oder nicht. Selbst die Trainer, die behaupten ganz ohne Konditionierung zu arbeiten, tun dies. Sie haben es bloß leider einfach nicht verstanden. Eine schlichte Ortskonditionierung mit dem Trainingsplatz- schwupss da ist sie, eine Konditionierung. Die Hauptlernform für Hunde !

Im Training über positive Verstärkung spielt es also keine Rolle welche Rasse unser Hund hat. Jeder Hund lässt sich motivieren und somit auch trainieren. Bei dem einen reichen ein paar nette Worte und ein langweiliger trockener Keks, bei dem anderen Hund muss es dann doch schon ein quietschender Echtfellzergel sein. Ich bin dabei, wenn der Eingangssatz lauten würde: Mein Hund ist schwerer zu motivieren, aber schwer zu erziehen ist niemand.

Bei dem einen Hund müssen wir uns etwas mehr Gedanken machen über unser Training, bei dem anderen weniger.

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